Alsfeld war bereits früh von der nationalsozialistischen Ideologie geprägt. Aus der Stadt gingen mehrere Männer hervor, die im NS-Staat Karriere machten oder ihre Parteizugehörigkeit nutzten, um Macht auszuüben und Verfolgung zu unterstützen – bis hin zum Druck auf jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger. Zugleich verehrten die lokalen Nationalsozialisten einen sogenannten „Märtyrer der Bewegung“ aus ihren Reihen.
Wie verliefen die beruflichen und politischen Lebenswege dieser Männer? Welche Funktionen und Einflussmöglichkeiten hatten sie in Alsfeld und im NS-Staat? Und wie wirkten ihre Entscheidungen auf die lokale Gesellschaft?

Anhand lokaler Beispiele (Presseausschnitte, Verwaltungsakten, Erinnerungsberichte) werden Mechanismen von Anpassung, Opportunismus, Karrierismus und Macht sichtbar gemacht. Zugleich wird thematisiert, wie frühzeitige Ideologisierung und Netzwerke vor Ort das Handeln Einzelner ermöglichten – und welche Folgen dies für die verfolgten Menschen in der Stadt hatte.

Inhalte:

• Frühphase des Nationalsozialismus in Alsfeld: Strukturen, Netzwerke, lokale Dynamiken
• Biografische Schlaglichter auf zentrale Akteure und ihre Aufstiege im NS-System
• Der Kult um „Märtyrer der Bewegung“ und seine Wirkung auf die lokale Mobilisierung
• Reflexion über Verantwortung, Mitwirkung und Widerstand im Umfeld der NS-Diktatur
• Sensibilisierung für die Bedeutung lokaler Erinnerungskultur

Politische Bildung schafft Räume, in denen wir unterschiedliche Perspektiven kennenlernen, kontrovers diskutieren und gemeinsam darüber nachdenken, wie wir unsere Gesellschaft gestalten wollen. Sie soll Orientierung geben, Dialog ermöglichen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.
Doch die politische Bildung gerät zunehmend unter Druck. Träger demokratischer Bildungsarbeit werden unter Generalverdacht gestellt, ihre politische und fachliche Unabhängigkeit wird angegriffen, öffentliche Mittel werden gekürzt und bereits bewilligte Fördergelder eingefroren.
Was bedeutet diese Entwicklung für Schulen, Universitäten und die außerschulische politische Bildung? Und welche Rolle kommt politischer Bildung in einer Zeit zu, in der demokratische Grundwerte zunehmend unter Druck geraten?
Gemeinsam mit Vertreter*innen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), des Netzwerks für Demokratie und Courage (NDC) und OFEK e.V. (Beratungsstelle bei antisemitischer Gewalt und Diskriminierung) diskutieren wir über aktuelle Herausforderungen, Erfahrungen aus der Praxis und die Frage, wie demokratische Bildungsarbeit gestärkt werden kann.

Kommen Sie einfach vorbei. Sie müssen sich nicht vorher anmelden.

Mit der Frage, warum Gewerkschaften heute für Jung und Alt wichtig und notwendig sind, setzen wir unsere Seminarreihe zur sozialen Demokratie fort. Die DGBGewerkschaften vertreten ca. 6 Millionen abhängig Beschäftigte. Nur durch solidarisches Handeln können sie Tarifverträge aushandeln, die gute Arbeitsbedingungen und auskömmliche Löhne sichern. Auch die soziale Absicherung – etwa Kranken- und Rentenversicherung – hängt von einer aktiven Gewerkschaft ab. Für Auszubildende kämpft sie um gute Ausbildungsbedingungen, eine existenzsicherende Vergütung und Übernahme nach der Ausbildung. Für Rentner:innen gilt: Nur wenn Gewerkschaften Lohnerhöhungen erstreiten, wird auch die Rente erhöht. Junge und ältere Menschen sollen über diese Themen ins Gespräch kommen.

Im Seminar wird uns Roland Väth, AG Frieden der Naturfreunde, seine Arbeit vorstellen und mit uns ins Gespräch kommen. Wir schauen auf aktuelle Entwicklungen in Kommunal- und Landtagswahlen, autoritäre Verschiebungen sowie Handlungsoptionen der Gewerkschaften. Wir entwickeln gemeinsam praxisnahe und wirksame Strategien für den Umgang mit rechten Bedrohungen. Mit Stefan Würzbach, DGB, Abteilungsleiter Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, sprechen wir über Reformen, die den Sozialstaat bedrohen.

Prag ist ein Epizentrum europäischer Geschichte und Politik. Seit dem Mittelalter war die Stadt immer wieder Impulsgeberin für Ereignisse und Entwicklungen, die nicht nur die tschechische, sondern die Geschichte des Kontinents nachhaltig mit prägten. Dabei ist es vor allem das 20. Jahrhundert, dass das Verhältnis des Landes zu Deutschland und Europa nachhaltig mitbestimmte.
Die Erfahrungen von Okkupation und Vernichtung durch die Nazis, von Flucht und Vertreibung während des Krieges, aber auch von Fremdbestimmung und Gewaltherrschaft – z.B. nach der Niederschlagung des Prager Frühlings – sind einschneidende Ereignisse, die für die Erinnerungskultur des Landes prägend sind. Heute, mehr als 20 Jahre nach dem Beitritt, ist Tschechien längst in der EU angekommen, Prag zu einem kulturellen Zentrum und Sehnsuchtsort in Europa geworden.
Dennoch ist das Verhältnis zu Europa mannigfaltig. Mit dem erneuten Wahlsieg 2025 bestimmt unter Ministerpräsidenten Andrej Babiš (ANO-Partei) eine Koalition aus rechtspopulistischen bzw. rechtsextremen und europaskeptischen Parteien die Politik in Tschechien. Mit dieser Studienfahrt möchten wir Ihnen unterschiedliche Facetten der Geschichte, der aktuellen Politik und gesellschaftlichen Entwicklungen am Beispiel der Stadt Prag näherbringen. Wir möchten den langen Weg der Tschechinnen und Tschechen in die Europäische Union besser verstehen und aus heutiger Perspektive diskutieren. Dazu laden wir alle Interessierten herzlich ein.

Alle weiteren Informationen zum Programm und zur Anmeldung finden Sie hier.

News

Qualifizierung – Grundlagen der Politischen Bildung

Zwei Personen arbeiten gemeinsam an einem Tisch und schreiben auf bunte Karten. Im Hintergrund steht eine Pinnwand mit Notizzetteln und dem Titel „Grundlagen des Teamens“.

Unsere Fortbildung für Interessierte und Teamende der politischen Bildungsarbeit wurde überarbeitet und geht in die nächste Runde:

In der zweiteiligen Fortbildung werden die grundlegenden Kompetenzen vermittelt, um als Teamer*in in der politischen Bildung aktiv zu werden – egal, ob erste Erfahrungen gesammelt oder Wissen vertieft werden soll.

Weitere Infos gibt es hier.

In dieser zweiteiligen Fortbildung werden die grundlegenden Kompetenzen vermittelt, um als Teamer*in in der politischen Bildung aktiv zu werden – egal, ob du erste Erfahrungen sammeln oder dein Wissen vertiefen möchtest.

Im zweiten Teil gehen wir einen Schritt weiter: Wie gestalte ich ein interaktives und spannendes Seminar? Hier entwickelst du dein eigenes Seminarkonzept – von der ersten Idee bis zur Umsetzung. Dabei erlernst du didaktische Grundprinzipien und theoretische Grundlegungen der Politischen Bildungsarbeit, Gruppenprozesse und Gruppendynamiken und das Erstellen eines Seminars mit der ZIM-Struktur. Abschließend werden die Möglichkeiten und Grenzen der Politischen Bildung diskutiert.

Hier geht es zu Teil 1.

In dieser zweiteiligen Fortbildung werden die grundlegenden Kompetenzen vermittelt, um als Teamer*in in der politischen Bildung aktiv zu werden – egal, ob du erste Erfahrungen sammeln oder dein Wissen vertiefen möchtest.

Im ersten Teil der Fortbildung beschäftigen wir uns mit der Geschichte und den Rahmenbedingungen der politischen Bildung. Im Fokus steht die praktische Erprobung von Methoden zu zentralen Themen der politischen Jugendbildung sowie die Grundlagen der Moderation bei der Anleitung von Gruppen. Auch Warm-ups (WUPs), Teamarbeit und professionelles Feedback sind zentrale Bestandteile des ersten Seminarblocks.

Hier geht es zu Teil 2

Nach der Machtübertragung an die Nazis 1933 hat das NS-Regime zur Vorbereitung des Zweiten Weltkrieges verstärkt aufgerüstet. Der Grundstein dafür wurde im Vierjahresplan 1936 bis 1940 gelegt. Ziel war neben der Herstellung synthetischer Rohstoffe (Benzin und Gummi) unter anderem auch der Aufbau einer flexiblen und leistungsstarken Sprengstoffindustrie.
Zur Tarnung wurden viele neue Rüstungsstandorte in Waldgebieten eingerichtet.

So wurden von den drei Teilstreitkräften der Wehrmacht (Heer, Marine und Luftwaffe) ab 1936 dezentral im gesamten Reichsgebiet auch insgesamt 370 Munitionsanstalten aufgebaut und betrieben. Diese staatlichen Einrichtungen hatten die Aufgabe, die bereits fertiggestellte oder angelieferte Munition bis zur Abgabe an die Truppe aufzubewahren und zu verwalten. Dazu sollten auch die dort durchgeführten Munitionsarbeiten mit scharfen und unscharfen Munitionsteilen, Werkstoffen, Munitions- und Betriebsgeräten dienen. – Die Teilnehmenden an unserer Exkursion werden dort direkt am Stacheldrahtzaun über die damalige „Heeres-Neben-Munitionsanstalt Wilhelmsdorf“ informiert, die heute als „Muna Hundstadt“ bekannt ist.

Im Taunus gab es während des Zweiten Weltkrieges Stätten, die für das Kriegsgeschehen eine besondere Bedeutung hatten, die aber heute fast niemand mehr kennt. Auch unsere nähere Heimat war in das stra-tegische Denken und Handeln der Nationalsozialisten einbezogen. Mit dieser Alternativen Taunus-Rund-fahrt sollen diese Stätten des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte und deren Bedeutung dem Vergessen entrissen werden.

1. Station: „ADLERHORST“
Das ehemalige Führerhauptquartier in Ziegenberg/Wiesental
Die „Operation Seelöwe“ 1940
Heeresgenesungsheim 1941-44
Hauptquartier des Oberbefehlshabers West zur „Ardennenoffensive“ 1944/45

2. Station: SCHLOSS KRANSBERG
Teil des ehemaligen Führerhauptquartiers „Adlerhorst“
Hauptquartier u. a. von Himmler und Göring
Außenlager „Tannenwald“ des Konzentrationslagers Buchenwald 1944/45
Anglo-amerikanisches Vernehmungszentrum „Dustbin“ 1945-47 u. v. a.

3 Station: HASSELBORNER TUNNEL
„Führertunnel“ im II. Weltkrieg
Luftwaffen-Hauptquartier in Hasselborn 1940/41
Rüstungsproduktion: Propeller für deutsche Jagdflugzeuge 1943-45
KZ-Außenlager Hundstadt des „Arbeitserziehungslagers“ Frankfurt-Heddernheim

4. Station: FLUGPLATZ MERZHAUSEN
Einsatzhafen der Luftwaffe
Flugplatz des Führerhauptquartiers „Adlerhorst“
Außenlager des SS-Sonderlagers / KZ Hinzert (Hunsrück) 1944
Jagdgeschwader 2 „Richthofen“ 1944/45

In der östlichen Taunusregion gab es während des Zweiten Weltkrieges Stätten, die für den Nationalsozialismus und das Kriegsgeschehen eine besondere Bedeutung hatten, die aber heute nur noch wenige kennen.

Dazu gehörte auch der Flugplatz Merzhausen, der ab 1937 zwischen Merzhausen und Wilhelmsdorf als ein Einsatzhafen der Luftwaffe für den vorgese-henen Überfall auf die westlichen Nachbarländer gebaut wurde. Die dafür notwendigen Ge-bäude wurden als landwirtschaftliches Anwesen getarnt, die Start- und Landebahn als Schaf-wiese. Im Herbst 1939 erfolgte die erste Belegung mit einer Einheit der Luftwaffe, dem im späteren Kriegsgeschehen weitere folgen sollten. – In einer ruhigeren Zwischenphase wurde der Platz als Wehrertüchtigungslager der Hitlerjugend benutzt, um diese auf ihren Fronteinsatz vorzubereiten.

Im Sommer 1944 wurde für die Arbeiten zur Verlängerung der Start- und Landebahn des Flug-platzes in westlicher Richtung ein Außenlager des SS-Sonderlagers/KZ Hinzert im Hunsrück mit 30 politischen Gefangenen aus Luxemburg eingerichtet. Diese Häftlinge waren mit der Vereinnahmung ihres kleinen Landes durch das Nazi-Regime nicht einverstanden und hatten sich auf die unterschiedlichste Art und Weise dagegen gewehrt.

In den Jahren 1944/45 erlangte der Flugplatz dann größere Bedeutung: Am 12. Mai 1944 wurden heftige Luftkämpfe über dem Platz ausgetragen, und alliierte Angriffe erfolgten dann auch Anfang September 1944. Aber am 24. Dezember 1944 wurde der Einsatzhafen zusam-men mit dem Dorf Merzhausen durch die 8. US-Luftflotte massiv durch Bombenabwürfe an-gegriffen und teilweise erheblich zerstört. Zu Neujahr 1945 erfolgte der letzte große Angriff der deutschen Luftwaffe – auch von Merzhausen aus. Doch Ende März 1945 war auch hier der Krieg endlich zu Ende. Danach musste dann aber noch groß aufgeräumt werden.

Anschließend soll dann auch noch kurz über die interessante Nachkriegsgeschichte des ehe-maligen Flugplatzgeländes bis in die heutige Zeit berichtet werden.

Vor dem Hintergrund globaler Krisen, geopolitischer Spannungen und massiver Aufrüstung fragt der Vortrag nach dem verfassungsmäßigen Auftrag der Bundeswehr. Er rückt Moral, Rechtsbindung und demokratische Staatsbürgerschaft in Uniform sowie die politischen Erwartungen an die Streitkräfte in den Fokus.

Oberstleutnant a. D. Jürgen Rose, Gründungsmitglied des “Darmstädter Signals”, beleuchtet aus kritisch-reflektierter Perspektive, wie Soldat*innen den Artikel 87a GG, die Innere Führung, die Grenzen militärischer Gewalt und ihre persönliche Verantwortung gestalten.
Der Vortrag öffnet den Raum für eine offene Diskussion über die Rolle der Bundeswehr in der Demokratie heute.

Angesichts immer komplexerer Verwaltungsprozesse und wachsender Kommunikationsbarrieren fragt der Salon, welche Rolle Sprache für eine lebendige Demokratie spielt. Der Politologe Lothar Wiegand zeigt, wie Amtsdeutsch durch unnötige Abstraktion, technokratische Begriffe und bürokratische Floskeln Bürger*innen ausschließt – und warum verständliche Sprache politische Teilhabe erst möglich macht.

Anhand von Beispielen wie „raumübergreifendes Großgrün“ (Baum) oder „Personenbeförderungsdokument“ (Fahrkarte) zeigt Wiegand, wie unverständliche Formulierungen den Alltag verkomplizieren. Sein Plädoyer: Klarheit stärkt Vertrauen und Beteiligung.