Dresden ist eine Stadt der (Um)Brüche: geprägt von Zerstörung und Wiederaufbau, von Systemumbruch und neuer Blüte – zugleich aber auch von Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus.

Im Bildungsurlaub gehen wir auf Spurensuche zwischen Geschichte und Gegenwart: vom Überleben Victor Klemperers in der NS-Zeit über die Friedliche Revolution bis hin zu aktuellen politischen Konstellationen nach der Landtagswahl. Exkursionen führen uns u. a. in die Euthanasie-Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein und ins interkulturelle Zentrum „Haus der Brücke“. So erschließen wir uns historische Erfahrungen, Erinnerungskultur und die gesellschaftlichen Herausforderungen Dresdens heute.

Antisemitismus ist kein Phänomen der Vergangenheit – er ist auch heute allgegenwärtig. In diesem Bildungsurlaub setzen wir uns intensiv mit seinen historischen Wurzeln und aktuellen Erscheinungsformen auseinander. Dabei diskutieren wir auch aktuelle Ereignisse, wie den Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023, und deren Folgen.

Wir beziehen Perspektiven von Betroffenen und Aktivist*innen ein und entwickeln Strategien gegen Antisemitismus.
Angesichts der zunehmenden Radikalisierung soll das Seminar ein offener und sicherer Raum sein, in dem wir uns in Ruhe mit diesen komplexen Fragen auseinandersetzen und gemeinsam Haltung entwickeln – durch Lernen, Reflektieren und einem Austausch auf Augenhöhe.

Dieser Bildungsurlaub findet in Kooperation mit Arbeit und Leben Thüringen statt.

2018 jagt ein rechter Mob in Chemnitz Menschen durch die Straßen. „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen!“, rufen einige. Chemnitz — rechte Hochburg und doch eine Stadt voller engagierter Stimmen, die für eine solidarische und vielfältige Kultur kämpfen. 2025 wurde Chemnitz Kulturhauptstadt Europas. Ein Hoffnungszeichen. Und wie wirkt es nach?

Ein Jahr später fragen wir: Was hat sich verändert? Was bleibt, was verschwindet? Wir sprechen mit Künstler*innen, Aktivist*innen und Politiker*innen, folgen alten und neuen Spuren rechter Gewalt und beleuchten die Geschichte der Stadt zwischen DDR-Vergangenheit und Gegenwart und werfen einen kritischen Blick auf die Widersprüche und Potenziale der Kulturhauptstadt.

Die Veranstaltung wird in Kooperation mit Arbeit und Leben Hamburg organisiert.

Jüdisches Leben ist ein wesentlicher und facettenreicher Teil der deutschen Geschichte. Gleichzeitig sind Bilder, die mit Judentum verbunden werden, oft nur schwarz-weiß, gehen selten über die NS-Zeit hinaus und thematisieren Antisemitismus nur in der Vergangenheitsform. Mit der Diversität jüdischer Traditionen und moderner jüdischem Kultur gibt es kaum Berührungspunkte.

Um diese Gegenwart in Zentrum zu rücken, wollen wir uns mit Gesprächspartner*innen treffen, die uns mehr über die lange und vielfältige jüdische Kultur und Tradition berichten. Wir besuchen historische Orte und Einrichtungen, treffen Vertreter*innen jüdischer Gemeinden und Organisationen – von der größten Synagoge Deutschlands bis zum Sportverband MAKKABI.
Gemeinsam fragen wir, was das Leben von Juden*Jüdinnen in Deutschland heute ausmacht, welche Stimmen es prägen und mit welchen gesellschaftlichen Herausforderungen viele von ihnen aktuell konfrontiert sind.

Achtung: anderes Datum als im Programmheft!

Könnten Sie aus dem Stegreif drei ehemalige deutsche Kolonien benennen? Wir hätten das nach der Schulzeit nicht gekonnt – denn kolonisiert hatten vor allem die anderen, so die gängige Vorstellung. Dabei war das deutsche Kolonialreich zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung das drittgrößte der Erde – mit Kolonien in der ganzen Welt, gewaltsamer Aneignung und Verbrechen an der einheimischen Bevölkerung.

Im Bildungsurlaub gehen wir den Spuren deutscher Kolonialgeschichte in Berlin nach: an Orten, an denen Völkerschauen stattfanden oder wo die europäischen Kolonialmächte den afrikanischen Kontinent unter sich aufteilten. Gleichzeitig ist Berlin Schauplatz aktueller Auseinandersetzungen um Straßennamen, die Rückgabe kolonialer Raubkunst und Forderungen nach Reparationen. Im Gespräch mit Initiativen und Expert*innen vor Ort setzen wir uns kritisch mit Deutschlands verdrängtem kolonialen Erbe auseinander.

Während in vielen europäischen Metropolen die Mieten steigen, bewerten die Wiener*innen ihre Wohnsituation überwiegend positiv. Doch was macht Wien anders?

Die Stadt setzt auf geförderten Wohnbau, innovative Projekte wie Gemeindebauten, Baugruppen und klimafreundliche Stadtentwicklung. Im Bildungsurlaub werden wir verschiedene Wohnprojekte besuchen, darunter die selbstverwaltete „Sargfabrik“ und „Rosa“- Frauenwohnprojekte.

Ein Blick auf historische Gemeindebauten wie den „Karl-Marx-Hof“ zeigt, wie die Vergangenheit die Architektur der Zukunft prägt. Dieser Bildungsurlaub bietet Inspiration für alternative Wohnformen und Lösungen für den Mietmarkt.

Psychische Krisen sind kein individuelles Versagen, sondern Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse. Arbeitsdruck, Leistungszwang, Diskriminierung und soziale Isolation machen krank – und doch wird Verantwortung oft den Einzelnen zugeschoben.

In diesem Bildungsurlaub betrachten wir die psychische Gesundheit als politische Frage: Wir diskutieren, wie Sorge und Solidarität zur Gegenmacht werden könnten – und welche Veränderungen nötig sind.
Hierzu gestalten wir fünf Tage (in Teilzeit), in denen wir uns gemeinsam Wissen erschließen und verschiedene Initiativen, Institutionen und Einrichtungen kennenlernen, die sich im weitesten Sinne mit der Thematik befassen.
Thematischer Aufbau der Woche:

Am Montag starten wir mit dem gegenseitigen Kennenlernen und einem Einstieg ins Thema. Dabei gehen wir darauf ein, dass psychische Gesundheit nicht allein durch Genetik, Glück, Pech oder eigenes Verschulden beeinflusst wird, und inwiefern auch gesellschaftliche Determinanten eine Rolle spielen.
Der Dienstag steht unter dem Motto „Wenn es nicht mehr weitergeht“. Hier werden Themen wie Suizidprävention, Selbsthilfegruppen und das Krisentelefon im Vordergrund stehen. Dazu werden wir das Frankfurter Netzwerk für Suizidprävention im Frankfurter Gesundheitsamt besuchen und mit einer der Mitarbeitenden sprechen.
Am Mittwoch fragen wir: „Wo es anders weitergehen kann“. Wir betrachten medikamentöse Behandlungen und Klinikaufenthalte als einen möglichen Weg, möchten aber auch Kritiken, Alternativen und Ergänzungen kennenlernen und diskutieren. Als Input werden wir eine exklusive Filmvorführung des Films “SPK Komplex” von Gerd Kroske zum sozialistischen Patientenkollektiv veranstalten und gemeinsam diskutieren.
Am Donnerstag setzen wir uns damit auseinander, „wie wir füreinander da sein können“. Als ein Beispiel besuchen wir den Hauptsitz von medico international im Frankfurter Nordend und sprechen mit einer der Initiatorin*nen der Kampagne “Resist, Connect and Stand up” unter anderem über das Manifest für psychosoziale Arbeit in Zeiten gesellschaftlichen Zusammenbruchs.
Den Abschluss bildet der Freitag mit dem Thema „Wie wir für andere einstehen können“. Wir lernen Initiativen kennen, die sich auf politischer Ebene für die Belange psychischer Gesundheit einsetzen, reflektieren die Woche und formulieren mögliche Forderungen. Insbesondere treffen wir eine Vertreter*in des Bundesverbandes Psychatrie-Erfahrener und sprechen über deren Arbeit und Initiative der psychiatrischen Willenserklärung.

Der Bildungsurlaub findet vormittags von 9 Uhr bis 14 Uhr statt und wird von Michelle Winter und Franziska Max geleitet. Eingeladen sich anzumelden, sind alle, die sich für das Thema interessieren und offen sind, eine Woche lang verschiedene Perspektiven kennenzulernen.

Ligurien galt als ein Zentrum des vielfältigen Widerstands der Partisan*innen gegen die deutsche NS-Besatzung Norditaliens und den italienischen faschistischen Staat.
Wir wollen in diese intensive Phase des Widerstands vom September 1943 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 eintauchen.

Dabei werden wir die Geschichte der Resistenza durch Exkursionen im östlichen Ligurien und der nördlichen Toskana, über Wanderungen zu Gedenkorten sowie bei Besuchen von Museen und bedeutsamen Orten erfahrbar machen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Geschichte der Menschen, die diesen Teil der Steilküste Liguriens seit Jahrhunderten besiedeln und kultivieren. Der Blick richtet sich hier auf die Lebensbedingungen in der Region unter dem Druck des Massentourismus.

Die Reise beinhaltet mehrere Wanderungen von etwa zwei Stunden. Daher sind feste Schuhe und Trittsicherheit notwendig.

Jüdisches Leben und Kultur gehören bereits seit dem 11. Jahrhundert zu Frankfurt. Jüdische Frankfurter*innen prägen die Stadt und die Stadtgesellschaft seitdem. Auf einem Stadtrundgang und im jüdischen Museum wird die Geschichte der jüdischen Gemeinde von ihrer Blütezeit bis zur Verfolgung im Nationalsozialismus erkundet.

Der Bildungsurlaub konzentriert sich jedoch auf die Zeit nach 1945: Durch Gespräche, Diskussionen und Exkursionen werden Einblicke in das heutige jüdische Leben in Frankfurt gewährt. Wir wollen einen Blick auf den Wiederaufbau der Gemeinde werfen und darauf, wie sich jüdisches Leben in der Frankfurter Stadtgesellschaft gestaltet. Es soll aber auch darum gehen, welche Herausforderungen es noch heute für Jüdinnen und Juden in Deutschland gibt und wie Antisemitismus begegnet wird.

Info: Für unseren Besuch in der jüdischen Gemeinde werden alle Namen und Adressen der Teilnehmenden der jüdischen Gemeinde mitgeteilt werden.

Der Eurovision Song Contest ist weit mehr als nur ein Musikwettbewerb – er ist ein europäisches Kulturerbe, ein Politikum und ein queeres Großereignis.

In diesem Seminar nehmen wir den ESC als Ausgangspunkt, um ihn aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten: Welche politischen Konflikte und Allianzen spiegeln sich in Jurywertungen oder Bühneninszenierungen? Wie verändert sich der kulturelle Ausdruck über die Jahrzehnte und was erzählt uns das über das Europa? Und warum hat der ESC einen besonderen Stellenwert in queeren Communities?
Gemeinsam analysieren wir Performances, Diskurse und Geschichte(n) rund um den ESC – kritisch, interdisziplinär und mit einem Augenzwinkern. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, aber Freude an Popkultur und Lust auf Austausch ausdrücklich erwünscht

(inkl. 1. Mai-Feiertag)

Welche Auswirkungen hat die Privatisierung auf die Zukunft des deutschen Gesundheitssystems? Haben wirklich alle Menschen in Deutschland gleichermaßen Zugang zu medizinischer Versorgung? Durch welche Praktiken, Initiativen und Angebote wird bereits jetzt versucht den Missständen entgegenzuwirken und Alternativen zu entwickeln?

Viele Menschen sind auch in Deutschland von der gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen. Mit den Privatversicherungen besteht ein Zweiklassensystem und in vielen Kliniken streiken seit Jahren immer wieder die Mitarbeitenden. Mit Blick auf die Zukunft, aber auch mit Bezug zur Gegenwart wird von einem Pflegenotstand gesprochen. Es gibt also viele Baustellen im deutschen Gesundheitssystem. Und vor allem ist klar: Gesundheit ist politisch!

In dem Bildungsurlaub lernen wir mehr über die Grundlagen und die Geschichte des deutschen Gesundheitssystem, wie sich dieses historisch entwickelt hat und wie sich die aktuelle Gesetzeslage auf die Gesundheitsversorgung auswirkt. Dabei geht es neben der Ökonomisierung des Gesundheitssystems und deren Folgen auf die Arbeitsbedingungen auch um Diskriminierung in und Ausschlüsse aus dem System. Hier steht immer wieder die Frage im Zentrum, wie Armut, Geschlecht, Rassismus im Zusammenhang mit einer „guten“ Gesundheitsversorgung stehen.

Steigende Mieten, demografische Veränderungen und soziale Isolation fordern neue Wohn- und Lebensformen. Frauen aller Altersgruppen – von Studentinnen über Familien bis zu Rentnerinnen – stellen sich die Frage, wie sie in Zukunft leben wollen.

Besonders ältere Frauen möchten im vertrauten Umfeld bleiben, ihre Selbstständigkeit bewahren und Pflege in den Alltag integrieren.
Dieses Seminar beleuchtet, wie sich Wohn- und Lebensentwürfe im Laufe der Zeit ändern und welche Ansprüche an Gesellschaft und Politik gestellt werden, um eine lebenswerte Zukunft zu gestalten. Gemeinsam erkunden wir kreative und solidarische Lösungen für ein nachhaltiges und erfülltes Leben in Frankfurt.