Wer etwas schreibt, teilt etwas mit – bewusst und unbewusst. Wer etwas liest, nimmt etwas auf – bewusst und unbewusst. In literarischen Texten finden sich Informationen über Personen, persönliche Beziehungen, Regeln von Beziehungen und über sogenannte Strukturen, innerhalb derer sich Menschen verhalten. Leser*innen nehmen nun nicht eins zu eins auf, was in Texten vermittelt werden kann, sondern nur das, was sie selbst als Wahrnehmungsmuster besitzen. Diese wirken als Filter. Diese sind von Interesse für die Analyse unserer Gesellschaft. Grundlage der Veranstaltung ist ein zweibändiges Werk, in dem etwa 140 Texte von fast 100 Autor*innen versammelt sind.

Alsfeld war bereits früh von der nationalsozialistischen Ideologie geprägt. Aus der Stadt gingen mehrere Männer hervor, die im NS-Staat Karriere machten oder ihre Parteizugehörigkeit nutzten, um Macht auszuüben und Verfolgung zu unterstützen – bis hin zum Druck auf jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger. Zugleich verehrten die lokalen Nationalsozialisten einen sogenannten „Märtyrer der Bewegung“ aus ihren Reihen.
Wie verliefen die beruflichen und politischen Lebenswege dieser Männer? Welche Funktionen und Einflussmöglichkeiten hatten sie in Alsfeld und im NS-Staat? Und wie wirkten ihre Entscheidungen auf die lokale Gesellschaft?

Anhand lokaler Beispiele (Presseausschnitte, Verwaltungsakten, Erinnerungsberichte) werden Mechanismen von Anpassung, Opportunismus, Karrierismus und Macht sichtbar gemacht. Zugleich wird thematisiert, wie frühzeitige Ideologisierung und Netzwerke vor Ort das Handeln Einzelner ermöglichten – und welche Folgen dies für die verfolgten Menschen in der Stadt hatte.

Inhalte:

• Frühphase des Nationalsozialismus in Alsfeld: Strukturen, Netzwerke, lokale Dynamiken
• Biografische Schlaglichter auf zentrale Akteure und ihre Aufstiege im NS-System
• Der Kult um „Märtyrer der Bewegung“ und seine Wirkung auf die lokale Mobilisierung
• Reflexion über Verantwortung, Mitwirkung und Widerstand im Umfeld der NS-Diktatur
• Sensibilisierung für die Bedeutung lokaler Erinnerungskultur

Nach der Machtübertragung an die Nazis 1933 hat das NS-Regime zur Vorbereitung des Zweiten Weltkrieges verstärkt aufgerüstet. Der Grundstein dafür wurde im Vierjahresplan 1936 bis 1940 gelegt. Ziel war neben der Herstellung synthetischer Rohstoffe (Benzin und Gummi) unter anderem auch der Aufbau einer flexiblen und leistungsstarken Sprengstoffindustrie.
Zur Tarnung wurden viele neue Rüstungsstandorte in Waldgebieten eingerichtet.

So wurden von den drei Teilstreitkräften der Wehrmacht (Heer, Marine und Luftwaffe) ab 1936 dezentral im gesamten Reichsgebiet auch insgesamt 370 Munitionsanstalten aufgebaut und betrieben. Diese staatlichen Einrichtungen hatten die Aufgabe, die bereits fertiggestellte oder angelieferte Munition bis zur Abgabe an die Truppe aufzubewahren und zu verwalten. Dazu sollten auch die dort durchgeführten Munitionsarbeiten mit scharfen und unscharfen Munitionsteilen, Werkstoffen, Munitions- und Betriebsgeräten dienen. – Die Teilnehmenden an unserer Exkursion werden dort direkt am Stacheldrahtzaun über die damalige „Heeres-Neben-Munitionsanstalt Wilhelmsdorf“ informiert, die heute als „Muna Hundstadt“ bekannt ist.

Im Taunus gab es während des Zweiten Weltkrieges Stätten, die für das Kriegsgeschehen eine besondere Bedeutung hatten, die aber heute fast niemand mehr kennt. Auch unsere nähere Heimat war in das stra-tegische Denken und Handeln der Nationalsozialisten einbezogen. Mit dieser Alternativen Taunus-Rund-fahrt sollen diese Stätten des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte und deren Bedeutung dem Vergessen entrissen werden.

1. Station: „ADLERHORST“
Das ehemalige Führerhauptquartier in Ziegenberg/Wiesental
Die „Operation Seelöwe“ 1940
Heeresgenesungsheim 1941-44
Hauptquartier des Oberbefehlshabers West zur „Ardennenoffensive“ 1944/45

2. Station: SCHLOSS KRANSBERG
Teil des ehemaligen Führerhauptquartiers „Adlerhorst“
Hauptquartier u. a. von Himmler und Göring
Außenlager „Tannenwald“ des Konzentrationslagers Buchenwald 1944/45
Anglo-amerikanisches Vernehmungszentrum „Dustbin“ 1945-47 u. v. a.

3 Station: HASSELBORNER TUNNEL
„Führertunnel“ im II. Weltkrieg
Luftwaffen-Hauptquartier in Hasselborn 1940/41
Rüstungsproduktion: Propeller für deutsche Jagdflugzeuge 1943-45
KZ-Außenlager Hundstadt des „Arbeitserziehungslagers“ Frankfurt-Heddernheim

4. Station: FLUGPLATZ MERZHAUSEN
Einsatzhafen der Luftwaffe
Flugplatz des Führerhauptquartiers „Adlerhorst“
Außenlager des SS-Sonderlagers / KZ Hinzert (Hunsrück) 1944
Jagdgeschwader 2 „Richthofen“ 1944/45

In der östlichen Taunusregion gab es während des Zweiten Weltkrieges Stätten, die für den Nationalsozialismus und das Kriegsgeschehen eine besondere Bedeutung hatten, die aber heute nur noch wenige kennen.

Dazu gehörte auch der Flugplatz Merzhausen, der ab 1937 zwischen Merzhausen und Wilhelmsdorf als ein Einsatzhafen der Luftwaffe für den vorgese-henen Überfall auf die westlichen Nachbarländer gebaut wurde. Die dafür notwendigen Ge-bäude wurden als landwirtschaftliches Anwesen getarnt, die Start- und Landebahn als Schaf-wiese. Im Herbst 1939 erfolgte die erste Belegung mit einer Einheit der Luftwaffe, dem im späteren Kriegsgeschehen weitere folgen sollten. – In einer ruhigeren Zwischenphase wurde der Platz als Wehrertüchtigungslager der Hitlerjugend benutzt, um diese auf ihren Fronteinsatz vorzubereiten.

Im Sommer 1944 wurde für die Arbeiten zur Verlängerung der Start- und Landebahn des Flug-platzes in westlicher Richtung ein Außenlager des SS-Sonderlagers/KZ Hinzert im Hunsrück mit 30 politischen Gefangenen aus Luxemburg eingerichtet. Diese Häftlinge waren mit der Vereinnahmung ihres kleinen Landes durch das Nazi-Regime nicht einverstanden und hatten sich auf die unterschiedlichste Art und Weise dagegen gewehrt.

In den Jahren 1944/45 erlangte der Flugplatz dann größere Bedeutung: Am 12. Mai 1944 wurden heftige Luftkämpfe über dem Platz ausgetragen, und alliierte Angriffe erfolgten dann auch Anfang September 1944. Aber am 24. Dezember 1944 wurde der Einsatzhafen zusam-men mit dem Dorf Merzhausen durch die 8. US-Luftflotte massiv durch Bombenabwürfe an-gegriffen und teilweise erheblich zerstört. Zu Neujahr 1945 erfolgte der letzte große Angriff der deutschen Luftwaffe – auch von Merzhausen aus. Doch Ende März 1945 war auch hier der Krieg endlich zu Ende. Danach musste dann aber noch groß aufgeräumt werden.

Anschließend soll dann auch noch kurz über die interessante Nachkriegsgeschichte des ehe-maligen Flugplatzgeländes bis in die heutige Zeit berichtet werden.

Vor dem Hintergrund globaler Krisen, geopolitischer Spannungen und massiver Aufrüstung fragt der Vortrag nach dem verfassungsmäßigen Auftrag der Bundeswehr. Er rückt Moral, Rechtsbindung und demokratische Staatsbürgerschaft in Uniform sowie die politischen Erwartungen an die Streitkräfte in den Fokus.

Oberstleutnant a. D. Jürgen Rose, Gründungsmitglied des “Darmstädter Signals”, beleuchtet aus kritisch-reflektierter Perspektive, wie Soldat*innen den Artikel 87a GG, die Innere Führung, die Grenzen militärischer Gewalt und ihre persönliche Verantwortung gestalten.
Der Vortrag öffnet den Raum für eine offene Diskussion über die Rolle der Bundeswehr in der Demokratie heute.

Angesichts immer komplexerer Verwaltungsprozesse und wachsender Kommunikationsbarrieren fragt der Salon, welche Rolle Sprache für eine lebendige Demokratie spielt. Der Politologe Lothar Wiegand zeigt, wie Amtsdeutsch durch unnötige Abstraktion, technokratische Begriffe und bürokratische Floskeln Bürger*innen ausschließt – und warum verständliche Sprache politische Teilhabe erst möglich macht.

Anhand von Beispielen wie „raumübergreifendes Großgrün“ (Baum) oder „Personenbeförderungsdokument“ (Fahrkarte) zeigt Wiegand, wie unverständliche Formulierungen den Alltag verkomplizieren. Sein Plädoyer: Klarheit stärkt Vertrauen und Beteiligung.

Peter Gingold (1916 – 2006) war jüdischer Antifaschist und Kommunist. Er lebte in Frankfurt am Main und floh 1933 mit seiner Familie nach Paris, wo er in den Reihen der Résistance kämpfte. Nach dem Krieg engagierte er sich in Hessen bei Friedensaktionen, gegen Neonazis und als Zeitzeuge – oft auch in Marburg. Für ihn und seine Frau Ettie galt der 8. Mai als ‚Morgenrot der Menschheitsgeschichte‘. Seine Tochter Silvia Gingold und Dr. Ulrich Schneider erinnern an diesem Abend an Peter und Ettie Gingold und lesen aus Peters autobiografischen Aufzeichnungen ‚Paris – Boulevard St. Martin Nr. 11‘.

Im September 2026 wird nun bereits zum vierten Mal die Sommerschule „Kritische Wohnungsforschung – Theorie und Praxis einer progressiven Wohnungspolitik“ am Institut für Humangeographie der Goethe-Universität Frankfurt stattfinden.

Die Veranstaltung richtet sich gleichermaßen an Studierende und Forschende wie auch an Aktivist*innen aus wohnungspolitischen Bewegungen sowie Praktiker*innen aus Wohnungsunternehmen, Verwaltungen, Politik, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft. Die Sommerschule will das Wissen aus kritischer Wohnungsforschung und anwendungsbezogener Praxis in einen konstruktiven Dialog bringen und in Form von Vorträgen, Diskussionsrunden, Workshops und ggf. Exkursionen einem breiteren Publikum zugänglich machen.

Weitere Informationen zum Programm finden sich unter folgendem Link: www.humangeographie.de/sommerschule

Der Bildungsurlaub untersucht die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen und Versorgungs-strukturen für Menschen mit psychischen Erkrankungen im Vergleich der Regionen Bad Tölz (Bayern) und Frankfurt am Main (Hessen). Im Mittelpunkt steht die Frage, wie psychiatrische Versorgung zwischen stationären, ambulanten und gemeindepsychiatrischen Ansätzen organisiert, finanziert und weiterentwickelt wird.

Vor dem Hintergrund aktueller gesundheitspolitischer Debatten – insbesondere zur Ambulantisierung, Sozialraumorientierung und Teilhabe – analysieren die Teilnehmenden unterschiedliche Modelle der außerklinischen Versorgung, Rehabilitation und psychosozialen Unterstützung. Dabei werden sowohl strukturelle Steuerungsfragen als auch die Rolle kommunaler und landespolitischer Zuständigkeiten betrachtet.

 

in Zusammenarbeit mit: IM-PULSE gUG sowie Vitos Klinik Bamberger Hof und der Fortuna Frankfurt 1973 e.V.

In diesem Bildungsurlaub kannst du mal über den (Klinik-)Alltag hinausschauen, die Hafenstadt Hamburg erkunden und neue Ideen und Perspektiven kennenlernen.

In spannenden Workshops, Exkursionen durch Hamburg und im Austausch mit Expert*innen erlebst du, wie Demokratie auch im Arbeitsalltag eine Rolle spielt. Wir sprechen über Mitbestimmung im Betrieb, gewerkschaftliches Engagement und faire Arbeitsbedingungen – und schauen gemeinsam, was das alles mit dir und deinem Beruf zu tun hat.

Neben neuen Perspektiven erwarten dich Gruppenaktivitäten, kreative Methoden, Diskussionen ohne Langeweile und Zeit für Austausch und Spaß.

In der heutigen Arbeitswelt nehmen Stress und Belastungen kontinuierlich zu.

Zeit und Termindruck, die Herausforderungen von Home-Office und ständige Erreichbarkeit stellen viele Berufstätige vor große Herausforderungen. Dieser Bildungsurlaub vermittelt ihnen praxisnahe Methoden und Techniken, um gelassener und resilienter auf diese Anforderungen zu reagieren.

Sie erfahren, wie gesellschaftspolitische Entwicklungen die Stressfaktoren in der Arbeitswelt beeinflussen und wie sie durch systemisches Denken und wertschätzende Kommunikation ihre persönliche und berufliche Resilienz stärken können. Sie lernen, wie Sie neue Ressourcen entdecken, Ihre individuellen Stressoren identifizieren und effektive Strategien zur Stressbewältigung entwickeln.

Die vorgestellten Techniken fördern eine wertschätzende und lösungsorientierte Kommunikation im Berufsalltag. Entspannungsübungen aus der Achtsamkeitspraxis zur Stressbewältigung und leichte Dehnungsübungen für verspannte Muskulatur runden das Bildungsangebot ab.